OK
10.09.2020

Zumutbarkeit einer Tätigkeit entfällt nicht durch gelegentlich oder selten auftretende Schmerzen


LG Berlin, Urteil vom 9.4.2020 - 23 O 4/18 (nicht rechtskräftig)

Nach gefestigter obergerichtlicher Rechtsprechung entfällt die Zumutbarkeit einer Tätigkeit nicht dadurch, dass überhaupt gelegentlich oder selten Schmerzen dabei auftreten können. Im Rahmen der Beurteilung der Zumutbarkeit einer Tätigkeit muss nicht jedes Schmerzempfinden ausgeschlossen sein, vielmehr ist die Frage der Zumutbarkeit nach dem normalen Verständnis des durchschnittlichen Versicherungsnehmers zu beurteilen. Dem liegt zugrunde, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung ihrem Schutzzweck nach nur für solche Gesundheitsrisiken Vorsorge treffen soll, die der Versicherungsnehmer nicht auf alltäglichen, selbstverständlichen, unschwer und schadlos zu beschreitenden, eben nicht nennenswert belastenden Wegen zu beherrschen vermag. Dies rechtfertigt es, jedenfalls die Leistungsvoraussetzungen infolge des gesundheitlichen Zustandes dann zu verneinen, wenn solche Maßnahmen, die jeder andere Betroffene ohne Versicherungsschutz ergreifen würde, nicht ergriffen werden.

Ansprechpartner
RAin Anja Lippeck, Berlin
anja.lippeck@bld.de