OK
25.08.2020

Vollständige Leistungsfreiheit wegen fehlender Aufklärung über den Zeitpunkt der Erstellung eines Wertgutachtens


OLG Hamm, Beschluss vom 25.6.2020 - I-20 U 65/20

1. Wird der Versicherungsnehmer im Rahmen der Regulierung bezüglich entwendeter Schmuckstücke gefragt, warum er diese habe vor dem behaupteten Diebstahl bei einem Juwelier schätzen lassen, muss der Versicherungsnehmer darauf hinweisen, dass die Begutachtung erst nach dem Diebstahl durchgeführt worden sei und das Gutachten des Juweliers lediglich ein falsches Datum aufweise. Unterlässt er dies, liegt eine Täuschung durch Verschweigen offenbarungspflichtiger Umstände vor.

2. Dies Täuschung erfolgt auch arglistig, da einem vor dem behaupteten Diebstahl angefertigten Wertgutachten ein anderer Stellenwert zukommt als einem Gutachten nach dem Diebstahl, da dann insbesondere wegen der fehlenden Möglichkeit der Inaugenscheinnahme Fragen zu erwarten sind, auf welcher Grundlage die Bewertung erfolgte.

3. Eine solche arglistige Täuschung führt zur vollständigen Leistungsfreiheit des Versicherers, auch wenn die Täuschung nur einen Teil des Anspruchs betrifft, dies allerdings der mit Abstand größte Schadenposten ist, da dem Versicherer die weitere Abwicklung des Schadenfalls unzumutbar wird.

Ansprechpartner
RA Prof. Dr. Dirk-Carsten Günther, Köln
dirk-carsten.guenther@bld.de